Besondere Bedeutung für die Region Mittelrhein:
Nachfolger des heiligen Norbert legen Versprechen ab

Ein Ereignis mit für die ganze Region historischer Dimension fand am Pfingstwochenende in der Wülfersberg-Kapelle beim Neuwieder Stadtteil Gladbach in Rheinland-Pfalz, Bistum Trier, statt: Zum ersten Mal seit dem Jahr 1803 traten dort Menschen in der weißen Ordenskleidung des Prämonstratenser-Ordens zusammen, um Neuaufnahmen in ihre Gemeinschaft zu feiern. Drei Neumitglieder wurden mit dem Ordensgewand ausgestattet, fünf legten ihr feierliches Versprechen ab. Für die Region ist das mehr als ein internes Ereignis einer geschlossenen Gemeinschaft: Es festigt sich die Rückkehr einer Institution, die bis zur Zwangs-Auflösung ihrer Klöster zu Beginn des 19. Jahrhunderts über Jahrhunderte die ganze Region stark geprägt hat. Die Zerstörung zu napoleonischer Zeit war so gründlich, dass das Wissen über den Orden dort heute weithin verschüttet ist. Dabei gab es allein im Neuwieder Becken zuvor nicht nur viele landwirtschaftliche Höfe und Häuser im Besitz des Ordens, sondern mit Rommersdorf, Sayn und Wülfersberg ganze drei Klöster, etliche damit verbundene Klöster im Westerwald, an der Lahn, Mosel und in der Eifel. Das Nikolaus-Hospital in Andernach, die katholische Seelsorge in der neu gegründeten Stadt Neuwied waren unter ihrer Fittiche. Teile der Stadt stehen auf ehemaligem Land der Prämonstratenser, ebenso wie der Gottesacker der Herrenhuter Brüdergemeine oder die Burg Braunsberg zwischen Oberbieber und Anhausen. Ihre Besonderheit: Sie zogen sich nicht wie Mönche hinter die Klostermauer zurück, sondern nahmen Seelsorge in der Umgebung wahr. Der Neubeginn kam 2007, als der damalige Trierer Bischof Reinhard Marx in Sayn die neue Gemeinschaft des „Dritten Ordens“, Prämonstratenser-Tertiaren, einrichtete. Die Tertiaren leben nicht im Kloster. Ihre Mitglieder dürfen auch – anders, als die Chorherren des „Ersten Ordens“ und die Nonnen des „Zweiten Ordens“, heiraten, in Familien leben und unterschiedliche Berufe ausüben. Jedoch tritt ihre Gemeinschaft regelmäßig zusammen und die Mitglieder haben den Auftrag, im kirchlichen Leben mitzuwirken. Organisatorisch sind sie der Prämonstratenser-Abtei Hamborn zugeordnet, deren Abt der Prälat der Gemeinschaft ist. Gerade auch vor dem Hintergrund der aktuell stattfindenden Umorganisation der katholischen Kirche im Bistum Trier ist die Rückkehr des „weißen Ordens“ ein Fingerzeig für die Besinnung auf alte Stärken: Ordens-Gründer Norbert von Xanten begeisterte als Wanderprediger im Mittelalter Tausende Menschen, die sich in Scharen seiner Gemeinschaft anschlossen. Jetzt sind seine Nachfahren wieder da.

Foto: In der Wülfersberg-Kapelle legten Neumitglieder der Prämonstratenser-Tertiaren ihr feierliches Versprechen ab.

Tertiaren traten in der ehemaligen Abtei zusammen
Region Mittelrhein. Die Prämonstratenser waren über Jahrhunderte hier zu Hause – nun trafen sich ihre Tertiaren zum jährlichen Pfingstkonvent: Das Winterrefektorium der ehemaligen Abtei Rommersdorf im Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis ist nach einem ersten Start im vergangenen Jahr nun auch 2019 noch einmal Ort der Zusammenkunft der Gemeinschaft in den charakteristischen weißen Gewändern gewesen. Das Treffen im Vorjahr war dort die erste formelle Prämonstratenser-Zusammenkunft seit der Zwangs-Auflösung der Abtei 1803. Mit früher zahlreichen Liegenschaften in der Region bis nach Hessen, mehreren Tochterklöstern sowie der Seelsorge hat der Orden die Region nicht nur um und in Neuwied lange geprägt. Teile der Stadt selbst liegen auf ehemaligem Besitz des Klosters. Zur wachsenden Gemeinschaft der Tertiaren aus ganz Deutschland, neben Chorherren und Prämonstratenserinnen der dritte Zweig des Ordens, können auch Verheiratete gehören, die nicht gemeinsam in Klöstern leben. Auf der Tagesordnung der Zusammenkunft standen Neuaufnahmen und sogenannte Einkleidungen, bei denen Neumitglieder feierlich ihr Ordenskleid erhalten. Für Besucher der historischen Bauten, für die an diesem Tag die Räume des Klausurbereiches rund um den Kreuzgang geöffnet waren, gab es bemerkenswerte Begegnungen, als in den Pausen oder zu Stundengebeten die Ordensleute im weißen Habit anzutreffen und auch ansprechbar waren.

Einige der Tertiaren, die Pfingsten 2019 in der ehemaligen Abtei Rommersdorf zusammentraten.


Gen­era­l­kapitel 2018  wählt  Jos Wouters zum neuen  Generalabt

Gesamtorden. Vom 21. Juli bis zum 4. Aug­ust 2018 tag­te das Gen­era­l­kapitel des Pr­ä­mon­straten­ser-Or­d­e­ns im ehe­mal­ig­en Aug­us­ti­ner-Chorher­ren Sti­ft Kl­osterrath/​Rol­duc NL. Di­eses ehe­mal­ige Kl­oster ist he­ute ein be­deut­en­des Tag­ungs­ze­n­tr­um und hat für den Or­d­en auch eine his­torisc­he Be­deut­ung: hier leb­te der Hl. Norb­ert einige Zeit auf seiner Suc­he nach sein­em Lebe­n­sw­eg, hier lern­te er die Aug­us­ti­nus-Reg­el ken­n­en. Kl­osterrath war ein be­deut­en­des Re­form-Ze­n­tr­um der Greg­ori­a­nisc­hen Kirc­hen­re­form. In di­esem Kl­oster ere­ig­ne­te sich auch das sog­ena­nn­te „Spin­n­enw­un­der“: wäh­r­end der Hl. Me­sse fiel eine Spin­ne in den Me­ßkelch des Hl. Norb­ert. To­d­e­sm­ut­ig tr­a­nk er den ko­n­sekrier­ten Wein mit der Spin­ne, denn dama­ls dac­hte man, alle Spin­n­en se­i­en gi­ftig, aber dem Hl. Norb­ert ge­schah nic­hts, so daß man an ein Wun­der gl­aub­te. Das Gen­era­l­kapitel be­fas­ste sich haup­tsächl­ich mit der Ver­ab­schie­dung der neuen Ko­n­s­ti­tut­i­o­nen, aber nat­ürl­ich auch mit dem Zu­standsberic­ht des Or­d­e­ns, den Gen­era­l­abt Thomas Ha­n­dgräti­nger vor­tr­ug. Am 27. Juli dann wähl­te die Versam­m­l­ung den Belgier Abt Jos Wo­ut­ers von der Ab­t­ei Averb­o­de zum neuen Gen­era­l­abt.

Bericht des Generalabtes Thomas Handgrätinger zum Generalkapitel 2018: hier.

Nach über 200 Jahren wieder in der Region präsent: Prämonstratenser finden in Sayn und Neuwied neue Mitglieder

Kreis Neuwied/Kreis MYK. Sie waren viele Hundert Jahre in der Region von zentraler Bedeutung, dann kam 1803 das Aus: Die Prämonstratenser sind nach über 200 Jahren Abwesenheit wieder in der Region! Es war eine riesige Bewegung, die in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts Ernst machen wollte mit dem Anspruch Jesu Christi, ihm nachzufolgen: Nicht wie die meisten Mönchsgemeinschaften abgeschieden von den Menschen hinter Mauern betend oder wie reiche Fürsten herrschend wollten sie sein, sondern zwar in Gemeinschaft, aber mit Außenwirkung Gott suchen und seine Botschaft unter den Menschen verkünden: Die Mitglieder verschiedener Reform-Initiativen. Wie stark diese Ideen aufgenommen wurden, zeigt der Erfolg einer der größten dieser Bewegungen: Der Chorherren-Orden der Prämonstratenser. Benannt nach ihrer ersten Kloster-Niederlassung in Premontre bei Laon, sind sie auch unter dem Namen ihres Gründers Norbert von Xanten als Norbertiner bekannt. Bis zu 600 Ordensniederlassungen gründeten sich innerhalb weniger Jahre. Ein Jahr nach dem Tode des Heiligen, der es zuletzt bis auf den Stuhl des Bischofs von Magdeburg gebracht hatte, kamen 1135 die ersten Prämonstratenser in ihren weißen Ordenskleidern auch zu uns: Sie übernahmen eine von Mönchen verlassene Kloster-Baustelle Rommersdorf beim heutigen Neuwieder Stadtteil Heimbach-Weis, wo der Adelige Reginbold von Isenburg seinen Herrenhof gestiftet hatte. Als regelrechte Pioniere machten sie aus der Bauruine ein prächtiges Kloster, von hier gingen zahlreiche Tochter-Gründungen aus. Auch die dem Kloster benachbarte Wülfersberg-Kapelle bei Gladbach zeugt von einem einstigen Tochterkloster. Da es ein wesentliches Kennzeichen des Ordens war, Seelsorge und Ausbildung unter den Menschen zu betreiben, betreuten die Prämonstratenser bald kirchlich weite Teile der Region, auch in Neuwied, wo die beiden Abteien Sayn und Rommersdorf auch Besitz hatten. Denn auch die Sayner Grafen hatten sich Prämonstratenser ins Land geholt, die am Fuße ihrer Burg im Brexbachtal eine Abtei aufbauten. Erste Einbrüche brachte die Reformation: Sie verdrängte den katholischen Orden aus den Gebieten reformierter Herrschaften. Kurios: Im wiedischen evangelischen Oberbieber betreuten die Prämonstratenser noch einige Jahre die Nikolaus-Kapelle, bis der Graf zu Wied das Gotteshaus gegen Rechte in St. Sebastian eintauschte. Die „Abtsmühle“ am Ort des heutigen Reitzentrums im Aubachtal jedoch blieb bis zum Ende Prämonstratenser-Eigentum. Dieses Ende kam unter Napoleon: Auch Rommersdorf und Sayn wurden zwangsweise geschlossen, um den Besitz an Verbündete weltliche Herren des Franzosenkaisers zu schlagen. Die Prämonstratenser verschwanden, Rommersdorf wurde Herrengut, die Kirche verfiel, Sayn wurde Pfarrkirche und Schule. 2007 setzte der Orden jedoch wieder erste Schritte: Am Ort der ehemaligen Abtei Sayn gründete sich eine Gruppe von an die Abtei in Duisburg-Hamborn angelehnten Prämonstratensern. Diese sogenannten „Tertiaren“ bilden sich aus Frauen und Männern, ledig oder verheiratet, mit weltlichen oder kirchlichen Berufen. Sie treffen sich zu gemeinsamen Zusammenkünften und Gebet, leben aber nicht in klösterlicher Gemeinschaft, sondern an verschiedenen Orten in Deutschland und sogar Großbritannien. Sie alle haben sich dem kirchlichen Einsatz verschrieben. Nachdem sich jetzt auch aus Neuwied Interessierte gefunden haben, will sich die Gruppe regional auch stärker vor Ort engagieren: „Wir können uns vorstellen, dass wir hier und da in den Gemeinden unterstützen“, so Werner Hallerbach, der als Diakon im Ruhestand zum Orden mit den weißen Gewändern gehört. „Die Lebensform, als Mitglied des Ordens unter den Menschen zu leben, scheint attraktiver zu werden“, erklärt sich Hallerbach das Interesse. Informationen bietet die Gemeinschaft im Internet unter der Adresse praemonstratenser-tertiaren.de.