Unser weißer Habit

Der weiße Habit der Prämonstratenser: Auch die Tertiaren tragen eine eigene Form, eine vereinfachte Form des Hamborner Chorherrenhabits zur klaren Unterscheidung der Ordenszweige.

Die Statuten erlauben den Tertiaren als Mitglieder des Prämonstratenserordens, den Habit zu tragen. Ganz in der Tradition Norberts stehend, ist der Tertiarenhabit, der eine vereinfachte Form des Hamborner Chorherrenhabits darstellt, von Ursprünglichkeit und Schlichtheit geprägt. Er verzichtet auf Knöpfe und Kapuzinum sowie Mozetta der Chorherren, um einen deutlichen Unterschied zwischen Chorherren und den Tertiaren zu zeigen“, wie es die Statuten des Ordens von 1988 festlegen.

Historische Wurzeln des Tertiaren-Habits: Der Hl. Gottfried von Cappenberg trägt auf dieser Darstellung im ehem. Prämonstratenserkloster Ilbenstadt  als Nicht-Chorherr den Prämonstratenser-Habit.

Der Habit ist äußeres Bekenntnis zum Leben als Tertiar des Prämonstratenserordens, andererseits Zeichen und sichtbarster und somit entscheidender Ausdruck der inneren Einstellung und des Selbstverständnisses sowie der Zugehörigkeit zur Ordensfamilie und des abgelegten Versprechens eines jeden Mitgliedes. Durch den Habit wissen sich die Tertiaren aufgenommen in die Ordensfamilie. Die eigene Form des Habits steht für die spezifische Form der Lebensgestaltung und  -Führung und steht in seiner Schlichtheit und Farbe auch in der Tradition der durch den Ordensgründer selbst gewählten Bekleidung als bescheidenem Gewand eines Büßers.

Die Gestaltung orientiert sich an der historischen Gestaltung des Habits von Prämonstratenser-Tertiaren, wie es auch durch eine figürliche Darstellung  des Heiligen Gottfried in der ehemaligen Abteikirche in Ilbenstadt oder ein Gemälde in der Abtei Tesla belegt ist.

Der hl. Gottfried (Godefridus) in einem barocken Deckenfresko der Abteikirche Tesla – obwohl Nicht-Chorherr, wird er als Ordensmitglied ebenfalls im Prämonstratenser-Habit dargestellt.

Aus dem Essay zum weißen Prämonstratenser-Habit von Generalabt Thomas Handgrätinger:

1. Einleitung

Zu Beginn einige Beobachtungen:

1.1. Bei einer Zwischenlandung auf dem Weg nach Indien in Dubai kamen uns im Flughafengebäude hunderte von weiß gekleideten Personen, Frauen und Männer, entgegen, die sich – wie es sich auf Nachfrage herausstellte – als islamische Pilger auf ihrem Hadsch, auf ihrer einmal im Leben vorgeschriebenen Pilgerreise nach Mekka befanden. Kein Mensch nahm Notiz davon, es schien etwas ganz Normales zu sein. Wer pilgert, trägt ein Pilgergewand, ein unserer Albe entsprechendes langes weißes Gewand, barfuß in Sandalen und etwas Handgepäck. Pilgern nach Mekka ist ein Reinigungsweg und die entsprechende Farbe dafür ist das reine, unbefleckte Weiß.

1.2. Bei dem dreitägigen Sant’Agatha-Fest in Catania auf Sizilien jedes Jahr um den 6. Februar tragen alle männlichen Bewohner der Stadt weiße Gewänder, die jedoch stark an Nachthemden erinnern, gegürtet, darunter normale Kleidung. Im Gürtel, ein Art Zingulum, steckt ein kleines weißes Tüchlein, das einem Kelchtüchlein ähnelt, mit dem gewunken und irgendwie auf die Schulter geschlagen wird. Die Frauen tragen ein mehr grünliches Gewand. Dieser Brauch geht auf den legendären Umstand zurück, dass die Gebeine der heiligen Agatha in der Nacht im Hafen von Catania eintrafen und dass die Bürger, von diesem Ereignis aus ihren Betten aufgeschreckt, einfach in ihren Nachtkleidern zum Hafen eilten, um die Gebeine entgegenzunehmen. Eine ganze Stadt in weißen Kleidern, bei den dreitägigen Prozessionen, all den Feierlichkeiten und selbst bei den Gottesdiensten in den Kirchen. Weiß als ein Zeichen der Verehrung dieser jungfräulichen und reinen Märtyrerin des 4. Jahrhunderts, Sant’Agatha.

1.3 Bei der Feier anlässlich der Seligsprechung unseres neuen Seligen Pierre-Adrien Toulorge am 30. Mai 2012 in der Pfarrkirche in Muneville-le-Bingard, wo Père Pierre-Adrien noch am Tag seiner Geburt, am 4. Mai 1757 getauft wurde, wurde als Lesungstext ein Kapitel aus der Geheimen Offenbarung (GO 7,9-17) gewählt, der von der großen Schar von Auserwählten spricht, die niemand zählen konnte, die „in weißen Gewändern vor dem Thron und dem Lamm stehen und Palmzweige in den Händen tragen“ (GO 7,9). Darin wird die Frage erhoben: „Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen?“ (v 13).

Dieser Frage möchte ich hier in einem etwas breiteren Essay nachgehen und dabei unserer Ordenstradition, einen weißen Habit zu tragen, nachspüren.

2.  Die Farbe Weiß

Was hat es nun mit der Farbe Weiß auf sich, ist Weiß überhaupt eine Farbe?

„Weißes Licht wird so wahrgenommen, wenn alle drei Photorezeptoren in der Netzhaut des Auges in gleicher Weise und bei ausreichend hoher Intensität gereizt werden. Der Farbreiz für das Wahrnehmen von Weiß besteht also darin, dass alle drei Farbrelevanzen Rot, Grün und Blau gleich sind.“ Erst bei der Spektralanalyse und entsprechender Brechung des Lichtes im Prisma werden die verschiedenen Farben sichtbar vom Violett bis zum Rot, wobei für den Ultrabereich das menschliche Auge keine Empfindlichkeit besitzt.

Weiß ist physikalisch gesprochen die Summe aller Farben und in diesem Sinn die vollkommenste Farbe. Weiß steht also für Licht, für das Gute und Ideale, den Neubeginn, dann für Sauberkeit, Unschuld, Bescheidenheit und Wahrheit, Neutralität und Klugheit, Wissenschaft und Genauigkeit. Weiß wird mit Freude assoziiert.

Das Wort Weiß leitet sich angeblich von Weizen ab; sehr nahe auch im Englischen „white“ und „wheat“, ebenso im Schwedischen „vit“ und „vete“. Bei Italienischen „bianco“ und Französischen „blanc“ denkt man an den Glanz des Lichtes; das griechische „λευκός“ für Weiß meint eigentlich ‚Leuchten‘. Im Tierreich erfahren weiße Tiere eine besondere Aufmerksamkeit, der weiße Stier (Zeus), die weißen Rinder in Indien als Verkörperung des Lichtes (Heilige Kühe), Reiher und Ibis als heilige Tiere in China (heilige Vögel der Unsterblichkeit).

Die Symbolik der weißen Farbe ist sehr vielfältig: das weiße Brautkleid steht für Unschuld, Reinheit und Jungfräulichkeit; Weiß steht für Unsterblichkeit, Unendlichkeit; Weiß bedeutet Reinlichkeit, Hygiene und Sauberkeit (der weiße Arztkittel, „Götter in Weiß“, oder der „weiße Riese“). Die Menschen verbinden mit Weiß also pure Reinheit, Licht und strahlenden Schnee. Im spirituellen Bereich steht Weiß für Erleuchtung, Reinigung, Hellsehen, Heilung und Wahrheitsfindung. Weiß meint auch Ausgewogenheit, Lebensfreude, Glück. Wenn jemand immer Glück hat, sagten die Römer, dass er „ein Kind der weißen Henne“ („gallina alba“) sei.

3.  Weiß in der Heiligen Schrift

An vielen Stellen stößt man in der Heiligen Schrift auf Weiß. Hier soll ein kleiner Überblick folgen über wichtige Stellen, wo es um diese weiße Farbe geht.

Ps 51,9 – weiß im Sinn von Reinheit
Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee sein.

Jesus Sirach 48,18 – weiß im Sinn von Allmacht
Seinen Schnee streut er aus wie Vogelschwärme … Sein weißer Glanz blendet die Augen.“

Is 1,18 – weiß im Sinn von Reinigung
Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle.“

Dan 7,9 – weiß im Sinn von Würde
Da wurden Throne aufgestellt, und ein Hochbetagter nahm Platz. Sein Gewand war weiß wie Schnee, sein Haar wie reineWolle. Feuerflammen war sein Thron.

Mk 9,3 – weiß im Sinn von Verklärung
Und er wurde vor ihren Augen verwandelt; seine Kleider wurden strahlend weiß, so weiß, wie sie auf Erden kein Bleicher machen kann.

Mk 16,5 – weiß im Sinn von Licht und Lichtbote
Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war. Da erschraken sie sehr.

Lk 9,29 – weiß im Sinn von Verklärung
Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.

AG 1,10 – weiß im Sinn von himmlischen Sendungsboten
Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten.

Offb. 1,14 – weiß im Sinn von Würde und Unnahbarkeit
Sein Haupt und seine Haare waren weiß wie weiße Wolle, leuchtend weiß wie Schnee und seine Augen wie Feuerflammen.

Offb. 2,17 – weiß im Sinn von Geheimnis
Wer siegt, dem werde ich von dem verborgenen Manna geben. Ich werde ihm einen weißen Stein geben und auf dem Stein steht ein neuer Name, den nur der kennt, der ihn empfängt.“

Offb. 3,4-5 – weiß im Sinn von Reinheit und Würde
Du hast aber einige Leute in Sarde, die ihre Kleider nicht befleckt haben; sie werden mit mir in weißen Gewändern gehen, denn sie sind es wert. Wer siegt, wird ebenso mit weißen Gewändern bekleidet werden. Nie werde ich seinen Namen aus dem Buch des Lebens streichen.“

Offb. 3,18 – weiß im Sinn von Reinheit
Kaufe von mir weiße Kleider, und ziehe sie an, damit du nicht nackt dastehst und dich schämen musst.“

Offb. 4,4 – weiß im Sinn von Würde und Macht
Und rings um den Thron standen vierundzwanzig Throne, und auf den Thronen saßen vierundzwanzig Älteste in weißen Gewändern.“

Offb. 6,2 – weiß im Sinne von Macht
Da sah ich ein weißes Pferd; und der, der auf ihm saß, hatte einen Bogen.“ (1. Siegel)

Offb. 6.11- weiß als Zeichen der Erwählung
Da wurde jedem von ihnen ein weißes Gewand gegeben; und ihnen wurde gesagt, sie sollten noch kurze Zeit warten, bis die volle Zahl erreicht sei durch den Tod ihrer Mitknechte und Brüder, die noch sterben müssten wie sie.“

Offb. 7,9 – weiß als Zeichen von Heil und Rettung
Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen. Sie standen in weißen Gewändern vor dem Thron und dem Lamm und trugen Palmzweige in den Händen.

Offb 7, 13-15a – weiß als eschatologisches Kennzeichen und Glaubenszeugnis
Da fragte mich einer der Ältesten: Wer sind diese, die weiße Gewänder tragen, und woher sind sie gekommen? Ich antwortete ihm: Mein Herr, das musst du wissen. Und er sagte zu mir: Es sind die, die aus der großen Bedrängnis kommen; sie haben ihre Gewänder gewaschen und im Blut des Lammes weiß gemacht. Deshalb stehen sie vor dem Thron Gottes und diesen ihm bei Tag und bei Nacht in seinem Tempel.

Offb. 14,14 – weiß als Zeichen des Jenseits und der Macht
Dann sah ich eine weiße Wolke. Auf der Wolke thronte einer, der wie ein Menschensohn aussah. Er trug einen goldenen Kranz auf dem Haupt und eine scharfe Sichel in der Hand.

Offb. 15.6 – als Zeichen von Unbestechlichkeit und Macht
Und die sieben Engel mit den sieben Plagen traten heraus; sie waren in reines, weißglänzendes Leinen gekleidet und trugen um ihre Brust einen Gürtel aus Gold.“

Offb. 19,8 – weiß als Zeichen der Heiligkeit
Sie durften sich kleiden in weißstrahlend reines Leinen. Das Leinen bedeutet die gerechten Taten der Heiligen.“

Offb. 19,11-14 – weiß als Zeichen des Gerichts
Dann sah ich den Himmel offen, und siehe, da war ein weißes Pferd, und der, der auf ihm saß, heißt „Der Treue und Wahrhaftige“; gerecht richtet er und führt er Krieg. Seine Augen waren wir Feuerflammen, und auf dem Haupt trug er viele Diademe; und auf ihm stand ein Name, den er allein kennt. Bekleidet war er mit einem blutgetränkten Gewand und sein Name heißt „Das Wort Gottes. Die Heere des Himmels folgten ihm auf weißen Pferden; sie waren in reines, weißes Leinen gekleidet. Aus seinem Mund kam ein scharfes Schwert; mit ihm wird er die Völker schlagen.“

Offb. 20,11 – weiß als Zeichen der Allmacht Gottes
Dann sah ich einen großen weißen Thron und den, der auf ihm saß; vor seinem Anblick flohen Erde und Himmel. Und es gab keinen Platz mehr für sie.“

Weiß taucht an vielen Stellen der Schrift auf, in der Verbindung der übertünchten, also geweißelten Gräber und Mauern (Ez 13), der Beschreibung von Schnee und Eis (Ps 51,9), von abgeschältem Holz, von weißen Haaren, weißer Koriandersamen, weiße Flecken des Aussatzes (Lv 13), weiße Eselin, weißes Leinen, Eiweiß, himmlischer Reiter in weißem Gewand (2 Mak 11,8), weiße Pferde (Offb 6,2Sa 1,8). Weiß ist zunächst einfach eine Sachbeschreibung ohne weitere Bedeutung. Dann steht Weiß für das Ergebnis von Reinigung und Läuterung. Er wird die alles überbietende Macht der Gnade und verzeihenden Güte aufgezeigt. Schließlich steht Weiß besonders in der Geheimen Offenbarung für die Sphäre des Himmlischen und Jenseitigen, des absolut Reinen und Verklärten, ja des unbeschreiblich Göttlichen und Absoluten. Wer in diese ungetrübte Welt eingeht oder eintritt, wird umgeben und bekleidet mit den Gewändern des Heils, mit den weißen, unbefleckten, absolut reinen Gewändern, mit reinstem Linnen. Weiß steht für Erhebung, Erwählung, Heil, Erlösung und Befreiung. Das Reinwaschen im Blut des Lammes ist Anteil erhalten an der Erlösungskraft und Auferstehungswirklichkeit dessen, der durch Leiden, Passion, Sterben und Tod eingegangen ist in die Herrlichkeit Gottes. Es ist dies ein Transformationsprozess, ein Verklärungsgeschehen, wie es in der Taborszene präfiguriert ist, letztlich nicht anders zu beschreiben und auszudrücken als mit dieser Lichtsymbolik, wo schließlich alles in gleißendes Licht getaucht und zugleich von einer absoluten Helligkeit überstrahlt wird. Weiß steht für göttliche Sphäre, für Gott und alles Himmlische, Göttliche, Unsagbare. Gottes Boten sind weiß gekleidet. Weiß ist das, an dem sich alles scheidet, alles gemessen wird, alles gerichtet wird: „Sie wurden gerichtet, jeder nach seinen Werken“ (Offb 20,13). Und von der neuen Stadt Jerusalem wird am Ende gesagt, dass es „keine Nacht mehr geben“ wird „und sie brauchen weder das Licht einer Lampe noch das Licht der Sonne. Denn der Herr, ihr Gott, wird ihnen leuchten und sie werden herrschen in alle Ewigkeit“ (Offb. 22,5): Gott als „ewiges Licht“, als unauslotbare Lichtquelle und absolutes, gleißendes Energiezentrum. „Gott ist Licht“ (1 Joh 1,5).

4. Weiß in der Liturgie

In der römisch-katholischen Liturgie werden gewöhnlich sechs liturgische Farben verwendet: weiß, rot, rosa, grün, violett, schwarz. Die Farbe Weiß gilt als Lichtfarbe und steht für Freude, Festlichkeit und Reinheit. Weiß wird bei den höchsten Festen getragen, an Weihnachten und Ostern, an Herren- und Marienfesten, an Festen der Engel und der Heiligen, die keine Märtyrer waren. Die Farbe Weiß steht hier als Ausdruck der Freude, da die irdische Liturgie Teilnahme und geheimnisvolle Vorwegnahme der himmlischen Liturgie ist. Wenn der Priester die Albe anzieht, dann symbolisiert die ‘weiße‘ Albe (albus–weiß) die Reinheit des Herzens. Der Priester betete früher beim Anziehen der Albe „Läutere mich, o Herr, und reinige mein Herz, damit ich im Blut des Lammes weiß gewaschen, die ewigen Freuden genießen möge.“ Hier wird auf die Stelle in der Geheimen Offenbarung (Offb. 7,9-17) angespielt.

Ambrosius schreibt zu den Riten der Taufe: „Danach erhieltest du die weißen Gewänder zum Zeichen, dass du die Hülle der Sünde abgeworfen und den keuschen Schleier der Unschuld angelegt hast, wie der Prophet sagt: „Entsündige mich mit Ysop, dann werde ich rein; wasche mich, so werde ich weißer als Schnee sein“ (Ps 51,9). Die Kirche, die im Bad der Wiedergeburt die weißen Gewänder angelegt hat, spricht: „Schwarz bin ich, doch schön, ihr Töchter Jerusalems“ (Hld 1,5), schwarz durch die Schwachheit der menschlichen Natur, schön durch die Gnade. Schwarz ist die Kirche, weil sie aus Sündern besteht, schön durch das Geheimnis des Glaubens. Staunend sprechen die Töchter Israels beim Anblick dieser Gewänder: „Wer ist sie, die da in Weiß heraufsteigt? (Hld 8,5). Sie war schwarz, wieso ist sie jetzt plötzlich weiß?“

In der frühen Kirche trugen die in der Osternacht Getauften das weiße Gewand bis zum „Weißen Sonntag“, vor allem in den Gottesdiensten der Gemeinde mit den mystagogischen Katechesen. Die Neugetauften waren damit nach dem Taufbad bekleidet worden; am Samstag (Sabbatum in albis) oder eben am Oktavtag von Ostern (Dominica in albis) wurden die Gewänder abgelegt. Später war der Weiße Sonntag der Erstkommuniontag der Kinder, wobei der Zusammenhang von Ostern-Taufe-Eucharistie sehr schön zum Ausdruck kam.

Bei allen liturgischen Diensten am Altar wird eine Albe getragen oder ein von der Albe abgeleitetes Gewand wie das Chorhemd oder Rochett.

Der Papst trägt als Ranghöchster immer einen weiß Talar, ein Gewand, das von den Lateranensischen Regulierten Kanonikern (Chorherren) übernommen wurde.

5. Der weiße Habit

Die Prämonstratenser Chorherrn tragen einen weißen Habit, was dem Orden den Namen „Ordo Candidus“ eingetragen hat. In England heißen die Norbertine Fathers „White Canons“, in den Niederlanden „Witheren“. In Roggenburg sprach man von den „weißen Schwänen“, wenn von den Prämonstratensern der ehemaligen Reichsabtei die Rede war. In der Vita A des hl. Norbert erfahren wir etwas über die Begründung dieser Tradition, wenn Norbert die belehrenden Worte zur Regel in den Mund gelegt werde:

„Und wenn über die Farbe, die Dicke oder Dünne der Kleidung einige Erregung der Geister herrscht, so möge die, die sich deshalb das Recht zu nörgeln nehmen, doch sagen, wo in dieser Regel und wo im Evangelium und bei den Aposteln die weiße oder die schwarze Farbe oder die Dicke oder Dünne der Kleidung vorgeschrieben wird, dann möge ihnen geglaubt werden. Eines steht jedoch fest, dass als Zeugen der Auferstehung, wie zu lesen ist, Engel in weißen Gewändern erschienen, und dass das Gewand der Büßenden nach Vorschrift und Sitte der Kirche aus Wolle ist. Ähnlicherweise ging man im Alten Testament in Wollkleidern zum Volk hinaus, im Heiligtum aber pflegte man nach der Vorschrift linnene Gewänder zu tragen. Als Kennzeichen für Engel, so scheint es also, haben weiße Gewänder zu gelten, und als Zeichen der Buße sollen wollene Gewänder auf bloßem Leib getragen werden. Im Heiligtum Gottes aber und bei heiligen Handlungen soll man auf linnene Gewändern nicht verzichten.“

Norbert geht es dabei um mehrere wichtige Fragen. Das Gewand aus ungebleichter, also eher weißlicher Wolle galt als Zeichen der Armut; es war das Gewand der einfachen Leute, ungefärbt und in natürlichem Zustand, wohl eher rauh und nicht so angenehm zu tragen. Für Norbert ist es ein Bußgewand, das „auf bloßem Leib getragen“ wird. Das linnene Gewand über diesem Wollkleid, ebenfalls weiß, wurde nur in der Kirche getragen, im Heiligtum, als Zeichen der Ehrfurcht, „äußeren Würde“ und Gottesverehrung. Das linnene Gewand über dem Habit kommt sicher aus der Kanonikertradition. So verbindet Norbert einen bescheidenen, monastischen Lebensstil im Sinn einer strengen Reformbewegung mit klerikaler, kanonikaler Tradition einer betont schönen und gepflegten Liturgie. Etwas später empfiehlt er seinen Chorherrn besonders „am Altar und bei heiligen Handlungen Reinlichkeit“ Diese Vorschrift wird nun biblisch begründet. Die weißen Gewänder sind kennzeichnend für Engel. Die Auferstehungsengel trugen weiße Gewänder. Das wird in allen vier Evangelien berichtet. Es sind Boten aus einer anderen Welt, aus dem Bereich des Göttlichen, was mit der Farbe Weiß ausgedrückt werden soll. Diese Boten sind Botschafter, Gesandte, die eine wichtige Botschaft zu verkünden haben. So drückt sich im weißen Gewand Vollmacht und Heiligkeit aus, Sendung und Verkündigung. Damit bekommt das Tragen des weißen Habit schon eine fast sakrale Bedeutung. Die Träger sollen Boten und Verkünder der Auferstehung sein, Freudenboten, Künder einer unglaublichen Botschaft und Wahrheit, dass der Herr lebt, dass er siegreich allen Tod überwunden hat. Dies mag nun in Kontrast stehen zu der asketischen Rolle dieses Gewandes als Büßergewand und damit Verzicht auf jeden Komfort und Behaglichkeit, fernab von Verweichlichung und Prunksucht. Schon äußerlich soll der Habit den Lebensstil der Anspruchslosigkeit und Armut ausdrücken und so die Glaubwürdigkeit und Echtheit der Botschaft unterstreichen. Persönlich arm und bescheiden und so eher näher bei den einfachen Leuten, kann der Ordensmann mit seiner Botschaft alle erreichen und ihnen die Frohe Botschaft von Auferstehung und Erlösung vermitteln. Das wird später von Dominikus und seiner Predigerbewegung noch verstärkt aufgegriffen, dass die Wirkung einer Botschaft, einer Predigt, jeglicher Verkündigung auch vom überzeugenden, authentischen Lebensstil des Verkünders abhängt, dass man nicht Wasser predigt und selber Wein trinkt, wie eine Mahnung lautet. Lebensstil und Lebensbotschaft müssen zusammenpassen. Ist es das, was Norbert bewegte, der, so wird eigens vermerkt „ununterbrochen das raueste, härene Gewand trug“?

Aus dem schlichten, einfachen wollenen Gewand wurde mit der Zeit ein aufwendiger Habit mit Kolar, Skapulier, Zingulum und Kapuzeum. Geblieben ist die helle, weißliche Farbe, inzwischen eine rein äußerlich betrachtet ansehnliche Bekleidung, nicht mehr unbedingt ein Zeichen der Armut, mehr ein Ausdruck chorherrlichen, kanonikalen Selbstverständnisses.

Die Konstitutionen sagen darüber nur: „Unser weißes Ordenskleid, wie wir es übernommen haben, stellt ein dreifaches Zeichen dar: nämlich der Heiligung des Lebens, der Tradition der Kirche und der Einheit des Ordens. Es soll entsprechend den örtlichen Gewohnheiten getragen werden, vor allem beim Gottesdienst.“

Der Habit ist ein sichtbares Zeichen der Ordenszugehörigkeit, er schenkt Identität und Schutz und unterstreicht sichtbar das Eingegliedert-Sein in eine religiöse Gemeinschaft. So verhilft der Habit zu einem Ordens-„Habitus“, zu einer geistlichen Lebensform, die sich abhebt von der üblichen, bürgerlichen Gewandung und damit eine Signalwirkung nach Außen bewirkt. Wer den Habit trägt, gehört zu einer anderen Lebensordnung im Sinne von Paulus „ob wir leben oder sterben, wir sind des Herrn“ (Rom 14,8), wir gehören jetzt ihm an und jeder kann es sehen. Eine entsprechende Lebensweise und eine damit übereinstimmende Lebenshaltung sind Voraus-setzung und zugleich notwendige Folge davon. Bei der Einkleidung verzeichnet der Ritus zum Noviziatsbeginn keine weiteren Erläuterungen: „Nach der Befragung bzw. Bitte kann das Ordensgewand übergeben werden.“ Im CIC 669, § 1 heißt es kurz und bündig dazu: „Zum Zeichen ihrer Weihe und als Zeugnis der Armut haben die Ordensleute ein nach der Vorschrift des Eigenrechts angefertigtes Ordenskleid zu tragen.“ Der Zeugnis- und Zeichencharakter wird hier besonders unterstrichen.

Früher wurde bei der Einkleidung diese Stelle von Paulus zitiert: „Legt den alten Menschen ab, der in Verblendung und Begierde zugrunde geht, ändert euer früheres Leben, und erneuert euren Geist und Sinn! Zieht den neuen Menschen an, der nach dem Bild Gottes geschaffen ist in wahrerer Gerechtigkeit und Heiligkeit“ (Eph 4,22-24).

Es geht um eine tiefgreifende Lebensänderung und um einen Neubeginn in Christus für jeden Ordenschristen, der wie alle Christen bereits in der Taufe Christus angezogen hat (Gal 3,27). Der weiße Habit der Prämonstratenser will das auf sprechende und ansprechende Weise zum Ausdruck bringen. So war in einem Visitationsprotokoll zu lesen: „Der Habit ist eine kraftvolle Erinnerung für uns selbst und für andere an das Zeugnis der Gott-geweihten Lebens. Der weiße Habit ist ein besonderes „Zeichen“, das wir mit Stolz tragen sollten, um damit auszudrücken, dass wir Söhne des hl Norbert sind. Es sollte zumindest im Gebräuche-Buch (Liber Usuum) festgelegt werden, dass der Habit im Chor und bei den Mahlzeiten zu tragen sei.“

6. Schlussgedanke

Am Ende soll ein Gedicht von Lori Runkowsky stehen, das vor allem den heiligen Märtyrern geweiht ist, die ihr Blut für Christus vergossen haben und nun weiß gewaschen sind im Blute des Lammes, kraft der alles verwandelnden und verklärenden göttliche Liebe: „Siehe, ich mache alles neu“ (Offb 21,5). Kann der weiße Habit der Chorherrn des „Ordo Candidus“ etwas von dieser verwandelnden und erneuernden Liebe widerspiegeln?

Herrliche weiße Gewänder

Herrliche, weiße Gewänder, verliehen von Gott, dem Herrn.

Als Zeichen der Treue und Reinheit für die, die es waren wert.

Sie haben erduldet viel Schmerzen, Verfolgung nahmen sie hin.

Und dennoch sind sie standhaft geblieben, sie liebten und dienten ihm gern.

Sie haben in schwerer Versuchung, gezweifelt nicht einen Moment.

Die Sorgen und Lasten des Lebens, sie brachten und dienten ihm gern.

Nun sind sie in weißen Gewändern, weil sie überwunden den Tod.

Die Namen stehen im Buche des Lebens für alle Zeit.“

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Dritter Orden der Prämonstratenser / Communitas Tertiarii Saecularis